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Ist Schlangenserum aus München besser ?
Quelle:Interview der Süddeutschen Zeitung (SZ) vom 08.09.2004 in der Rubrik "Nachgefragt" mit Dr. med. Helmut Hentschel, Leiter des GGIZ Erfurt.
Bei einem Notfalleinsatz am vergangenen Wochenende musste für die Behandlung eines sechsjährigen Mädchen in Dresden,
das von einer Kreuzotter gebissen wurde, eigens ein spezielles Serum aus München eingeflogen werden (SZ berichtete).
Helmut Hentschel, Leiter der Giftzentrale Erfurt, hat zwischen der Dresdner Uni-Klinik und der Münchner Giftzentrale
vermittelt.
SZ: Warum musste die Dresdner Uni-Klinik auf das Münchner Serum zurückgreifen ?
Hentschel: Es gibt in Dresden nur eine einzige Apotheke, die mit einem Notfalldepot bei Vergiftungserscheinungen rund um
die Uhr einsatzbereit ist. Diese verfügt aber nur über das handelsübliche Serum, ein italienisches oder kroatisches
Präparat.
SZ: Worin unterscheidet sich das Serum von dem aus München ?
Hentschel: Die Verträglichkeit dieses Serums ist viel besser. Das liegt vor allem an der unterschiedlichen Herstellungsweise:
Das herkömmliche Serum, das aus Pferdeblut gewonnen wird, enthält viele tierische Eiweiße, die beim Menschen schwere
Allergien hervorrufen können. Das neue Serum enthält hingegen nur noch Antikörperfragmente. Der Anteil der tierischen
Eiweiße ist dadurch geringer.
SZ: Was bedeutet das ?
Hentschel: Da es um die Behandlung eines jungen Menschen ging, wollten wir kein Risiko eingehen. Darum entschieden wir uns
für das Antiserum mit den geringeren Nebenwirkungen. Bei einem gesunden Erwachsenen hätte man sicherlich das Dresdner
Antiserum verwendet.
SZ: Warum wird das bessere Serum nicht stärker verbreitet ?
Hentschel: Das ist vor allem eine Kostenfrage. Ich fände es wichtig und notwendig, dass das neue Serum ein fester
Bestandteil im Notfalldepot wird.
SZ: Ist es üblich, dass ein Medikament über weite Strecken transportiert werden muss ?
Hentschel: Ja, der Dresdner Fall ist kein Einzelfall. Grundsätzlich stellt sich dabei folgendes Problem: Seit vor zwei
Jahren der einzige deutsche zulässige Hersteller für Antiseren gegen europäische Giftschlangen, die Firma Behring,
die Produktion eingestellt hat, gibt es in Deutschland keine offiziellen zulässigen Hersteller für dieses Produkt mehr.
Daher ist der der Transport von Seren meist mit großem Aufwand verbunden. Zudem spielt die beschränkte Haltbarkeit von
Seren eine erschwerene Rolle.
SZ: Was kann man gegen dieses Problem tun ?
Hentschel: Wahrscheinlich bedarf es erst eines Notalls mit schlimmeren-wohl tödlichen Folgen, damit die Bundesbehörden
hier Druck auf ausländische Firmen machen.
Interview: Susanne Nguyen.
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