Giftnotruf Erfurt 0361 730730
Nordhäuserstr. 74
99089 Erfurt
Deutschland
|
|
Aktuelles: zurück zu Aktuelles
Schwere Vergiftung bei einem Säugling durch „Schlaftrunk“ aus Mohnsamen
Aufgrund eines lebensgefährlichen Vergiftungsunfalls bei einem sechs Wochen alten Säugling sieht sich das GGIZ veranlasst,
vor einem beruhigend wirkenden „Hausmittel“ eindringlich zu warnen. Im vorliegenden Fall hatte die Mutter des Kindes unter
Verwendung von 200 g Mohnsamen, den sie mit 500 ml Milch aufgekocht und abgeseiht hatte, einen „Schlaftrunk“ zubereitet.
Dem Säugling wurden am Abend von dieser Zubereitung nur 75 ml verabreicht. Fünf Stunden später wurde das Kind mit schweren
Atemstörungen und engen Pupillen in die Klinik aufgenommen. Ein Schnelltest im Urin auf die in Mohnsamen enthaltenen
Opiumalkaloide war positiv. Es kam zum Atemstillstand, sodass der Säugling beatmet werden musste. Nur durch die wiederholte
Gabe des Gegenmittels Narcanti®, die über mehr als zehn Stunden fortgesetzt werden musste, konnte die Atemstörung beherrscht
werden. Erst 15 Stunden nach der Verabreichung des „Schlaftrunks“ war das Kind wieder wach und außer Lebensgefahr.
Das von der Mutter des Kindes in gutem Glauben verwendete Mohntrunk-Rezept, vor dessen Anwendung das GGIZ eindringlich warnen
muss, stammt aus einem Buch von Günter Richter mit dem Titel „Backen ohne Schnickschnack“, 1. Aufl., Verlag Edition XXL,
Fränkisch-Crumbach 2004, ISBN 3-89736-138-8. Obwohl die Mutter nur die Hälfte der im Rezept angegebenen Mohnmenge zur
Zubereitung des Trunks verwendet hatte, kam es zu einer lebensgefährlichen Vergiftung.
Ursache der Vergiftung ist die Tatsache, dass auch der zum Backen verwendete Mohn noch geringe Mengen Opiumalkaloide,
vor allem Morphin und Codein, enthält. Während des Aufkochens treten diese stark narkotisch und atemdepressiv wirkenden
Stoffe aus dem Mohn in die Milch über. Wenn man von einem durchschnittlichen Alkaloidgehalt in Mohnsamen von
0,005 bis 0,009 % ausgeht, wurde dem Säugling mit dem „Schlaftrunk“ eine Überdosis Opiumalkaloide verabreicht.
Die langanhaltende Wirkung erklärt sich aus der Tatsache, dass der Abbau der Opiumalkaloide bei jungen Säuglingen bis
zum vierten Lebensmonat aufgrund der Unreife bestimmter Stoffwechselprozesse in der Leber verzögert ist.
Weitere Informationen und Auskünfte im Notfall erhalten Sie unter Giftnotruf Erfurt, Tel. 0361/730 730 (rund um die Uhr erreichbar).
zurück zu Aktuelles
|