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Missbräuchliche Einnahme von Engelstrompete (Datura suaveolens)

Die Anfragen an den Giftnotruf Erfurt wegen Vergiftungen mit Engelstrompeten sind kontinuierlich von einer Anfrage im Jahr 1995 auf 120 Anragen in den Jahren 2000 u. 2001 gestiegen. Danach waren sie wieder rückläufig. 2004 wurden 77 Fälle registriert, in diesem Jahr ist mit einer ähnlich hohen Zahl zu rechnen. Oftmals wird von Jugendlichen aus den Pflanzenteilen der Engelstrompete Sud oder Tee hergestellt, um sich ein Rauscherlebnis zu verschaffen. Die Gefahren, die damit verbunden sind, werden jedoch meistens unterschätzt und sollen am folgenden Fallbeispiel verdeutlicht werden:

[GGIZ 200509745]: Zwei 20-jährige Männer kochten aus nicht näher bezeichneten Pflanzenteilen der Engelstrompete einen Sud und tranken davon eine unbekannte Menge. Nach etwa 15 h kam es zur Klinikaufnahme. Die Männer wirkten beide überdreht, hatten erweiterte Pupillen, trockene Schleimhäute. Einer der beiden Männer sagte nichts, schien aber optische Halluzinationen zu haben. Es wurde empfohlen, bei deutlichen anticholinergen Zeichen (erhöhte Herzfrequenz, trockene Schleimhäute, weite Pupillen, erhöhte Körpertemperatur, Erregung, Halluzinationen) das Gegengift Physostigmin unter EKG-Kontrolle zu verabreichen und bei überdrehtem Verhalten Beruhigungsmittel (Benzodiazepine) zu geben. Am nächsten Tag wurden beide Männer entlassen. 2 Tage später kam einer der Männer wegen vermeintlicher Krampfanfälle erneut zur Aufnahme. Er gestand, neben dem Sud der Engelstrompete auch noch Ecstasy eingenommen zu haben. Sowohl Engelstrompete als auch Ecstasy können Krampfanfälle auslösen. Es stellte sich jedoch heraus, dass die vermeintlichen Krampfanfälle Bewegungsstörungen waren, die vermutlich die Nebenwirkung eines Medikamentes (Haloperidol) waren, welches der Patient wegen seiner Halluzinationen erhalten hatte. Nachdem ein Gegenmittel gegen diese Bewegungsstörungen verabreicht worden war, besserten sie sich rasch.


Als ähnlich gefährlich wie die Engelstrompete sind andere Nachtschattengewächse wie die Tollkirsche (Atropa belladonna) und der Stechapfel (Datura stramonium) anzusehen.


Inhaltsstoffe:
Alle Pflanzenteile: Tropanalkaloide (Scopolamin 75%, L-Hyoscyamin). Starke Schwankungen des Gehaltes der Inhaltsstoffe nach Jahreszeit, Wachstumsbedingungen und Pflanzenteil. In einer Blüte sollen ca. 0,65 mg Scopolamin und 0,2 mg L-Hyoscyamin enthalten sein.

Symptome:
Nach Verschlucken:
Bei kleinen Mengen: Am Anfang können Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall auftreten, zählen jedoch nicht zu den typischen Vergiftungserscheinungen. Typisch sind trockener Mund, Gesichtsrötung, Müdigkeit. Bei größeren Mengen meist im Rahmen von Drogenmissbrauch als Sud, Tee oder Plätzchen, als Salat roh gegessen oder geraucht: erhöhter Pulsschlag (Tachykardie), weite lichtstarre Pupillen (Mydriasis), trockene Haut, erhöhte Körpertemperatur, trockene Schleimhäute, Harnverhalt, erhebliche Unruhe, delirante Erregungszustände, Halluzinationen, vereinzelt Koma, Krampfanfälle (anticholinerges Syndom). Die ersten Symptome beginnen meist schon nach 5-10 min. Bis zum Eintreten der ersten psychischen Symptome vergehen oft mehr als 6 h.

Augenkontakt:
Gelangen Pflanzensaft oder Blütenstaub ins Auge, so werden ebenfalls weite lichtstarre Pupillen (Mydriasis, oft einseitig) beobachtet, die mehrere Tage anhalten kann. Zu einer systemischen Wirkung, wie oben beschrieben kommt es bei Augenkontakt jedoch nicht.

Therapie:
Nach Verschlucken: Kein Erbrechen auslösen. Sofortige Vorstellung beim Arzt oder im Krankenhaus.

Bei ausgeprägten Symptomen über Notarzt (Rufnummer 112) !

Nach Augenkontakt: Eingeschränkte Verkehrstüchtigkeit. Ggf. Vorstellung beim Augenarzt.

Quellen:
Giftpflanzen. Herausgeber: D. Frohne, H. J. Pfänder. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 5. Auflage 2004, S. 341

Vergiftungen im Kindesalter. Herausgeber: K. E. von Mühlendahl, U. Oberdisse, R. Bunjes, M. Brockstedt. Georg Thieme Verlag Stuttgart-New York, 4. Auflage 2003, S. 425-426



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