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Blaues Wunder Rohrreiniger (Inhaltsstoffe: Natriumhydroxid 50%, Natriumnitrat 15-20%)

[GGIZ 200602308] Im März 2006 erreichte uns ein Anruf einer Kinderklinik. Ein 16- Monate-altes Mädchen hatte im Abfall eine nahezu leere, mit Wasser ausgespülte Flasche "Blaues Wunder Rohrreiniger" (Inhaltsstoffe: Natriumhydroxid 50%, Natriumnitrat 15-20%) gefunden und die Reste daraus getrunken. Kurz danach kam es zu Übelkeit, mehrfachem Erbrechen und Speichelfluss. In der Klinik wurden Verätzungsspuren auf der Zunge, ein geröteter Gaumen und vermehrter Speichelfluss festgestellt. Das Mädchen erhielt schmerzlindernde Medikamente, Glucocorticoide, einen Hemmer der Magensäureproduktion und eine antibiotische Abschirmung. Am Folgetag wurde eine Spiegelung der Speiseröhre und des Magens durchgeführt. Hier wurden schwerste Verätzungen der Speiseröhre und leichtere Schleimhautschädigungen im Magen diagnostiziert. Zwei Wochen nach Aufnahme war bei einer weiteren Magenspiegelung die Schleimhaut immer noch sehr verletzlich und es hatte sich bereits eine Verengung in der Speiseröhre gebildet. Das Mädchen erhielt nun Tee und es wurde mit einem vorsichtigen Kostaufbau (Breikost) begonnen. Das Kind wurde nach 16 Tagen Klinikaufenthalt zunächst nach Hause entlassen. Nachdem die Mutter darüber berichtete, dass ihre Tochter bei dem Versuch, dunkles festes Brot zu verzehren, den Speisebrei wieder hochwürgte, wurde ein Aufenthalt in einer Kinderchirurgischen Abteilung geplant, um gegebenenfalls eine erste Weitung der Speiseröhre vornehmen zu können. Eine Abschätzung über das Ausmaß der Schädigung auf lange Sicht konnte zum derzeitigen Zeitpunkt nicht gemacht werden.

41 Anfragen zu Rohrreinigern hatte der Giftnotruf Erfurt allein im Jahr 2005 erhalten. In nahezu allen Fällen war eine tatsächliches Verschlucken von Granulat oder Lösung vorrausgegangen. 18 mal waren Kinder betroffen. Während Erwachsene häufig Rohrreiniger in selbstmörderischer Absicht trinken, ist die Einnahme bei Kindern meist die Folge der Unachtsamkeit der Eltern, weil die Produkte für die Kinder offenstehend zugänglich waren. Damit nicht Sie und Ihre Kinder ebenfalls ein "blaues Wunder" erleben, sollten Sie sich fragen, ob solche Produkte überhaupt in einen Haushalt gehören. Falls Sie dennoch Rohrreiniger im Haushalt verwenden, muss sichergestellt sein, dass diese Produkte und auch deren Reste niemals in Kinderhände gelangen können.

Sollte es dennoch zum Unfall gekommen sein, sollten Sie:

Bei Hautkontakt: durchweichte Kleidung sofort ausziehen und betroffene Hautstellen sofort 10 min mit fließendem Wasser spülen !

Bei Augenkontakt: Auge 10 min mit fließendem Wasser spülen !

Nach Verschlucken: Niemals Erbrechen auslösen. Keine Gabe von Flüssigkeit !

In allen Fällen: Notruf 112 absetzen !



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