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Tödliches Treibgas

(Quelle: http://www.sueddeutsche.de/,spom1/panorama/artikel/969/76893/ vom 30.05.2006, 16:25)

Drogenprävention

Tödliches Treibgas

Ein Elfjähriger stirbt nach dem Schnüffeln von Deospray; möglicherweise wollte er sich berauschen. Die Polizei will nun stärker über die Gefahren des Schnüffelns aufklären.

Nach dem Schnüffeln von Deospray ist ein elfjähriger Junge im niedersächsischen Oldenburg an Herzversagen gestorben. Nach zehn Tagen im Koma erlag der Schüler bereits am Montag den Folgen der Inhalation, wie ein Polizeisprecher sagte.

Der Junge habe im heimischen Badezimmer bewusst Deo eingeatmet und sei dann zusammengebrochen. Möglicherweise habe er sich in einen Rausch versetzen wollen. Verantwortlich für den Tod sei das Treibgas in dem Deopspray gewesen, das beim Inhalieren giftig wirke.

Die Großmutter hatte den Jungen nach den Vorfall gefunden. Der Rettungsdienst brachte das schwer verletzte Kind ins Krankenhaus, wo es in ein künstliches Koma versetzt wurde. Die Ärzte hätten den Jungen am Wochenende geweckt, doch der Herzmuskel sei durch das Inhalieren so schwer geschädigt gewesen, dass er keine Chance gehabt habe, sagte eine Sprecherin der Oldenburger Kinderklinik.

Die Polizei erklärte, dass man im Rahmen der Drogenprävention künftig verstärkt auf die Gefahren des Schnüffelns hinweisen wolle. Schon der erste Versuch könne zu Folgeschäden und sogar zum Tod führen, hieß es.

(AP)

Seit Mitte der 1990er Jahre ist eine stetige Zunahme der missbräuchlichen Anwendung von Feuerzeuggas und Treibgasen zu verzeichnen, um Rauschzustände auszulösen. Dem Erfurter Giftinformationszentrum wurden von 1998-2005 insgesamt 26 Fälle bekannt. 25% der Vergiftungsfälle verliefen schwer mit Bewußtlosigkeit, Herz-Kreislauf-Stillstand und Atemstillstand. Die Hälfte dieser Patienten verstarben.

Zur Erzeugung von Rauschzuständen wird Butan hauptsächlich von Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 17 Jahren verwendet. Durch die rasch einsetzende Bewusstseinstrübung ist die Rauschwirkung für den Konsumenten kaum steuerbar. In der Anfangsphase kann es zum Ersticken an Erbrochenem kommen. Durch eine Schädigung des Reizleitungssystems werden lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen ausgelöst ("sudden sniffing death syndrome"). Schließlich führt der Sauerstoffmangel innerhalb weniger Minuten zur Hirnschädigung, die auch nach erfolgreicher Wiederbelebung des Herz-Kreislaufs nicht rückgängig zu machen ist. Durch das hemmungslose Probieren besteht besonders für Erstkonsumenten die Gefahr, den ersten Rausch nicht zu überleben.

Weitere Informationen zu Gefahren bei Treibgasinhalation finden Sie unter:

http://www.ggiz-erfurt.de/pdf/v_dro_butan_poster_2004.pdf

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