Giftnotruf Erfurt 0361 730730
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Deutschland
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Vergiftung durch Rizinussamen
Fallbeispiel [200615598]:
Ein 38 jähriger Mann zerkaute in selbstmörderischer Absicht morgens 10 Rizinussamen. Weil er keine Wirkung verspürte, wiederhohlte er abends die Einnahme von 22 Rizinussamen und trank dazu eine halbe Flasche Schnaps. Über Nacht kam es zu Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Am nächsten Tag suchte er seinen Hausarzt auf, der die Übelkeit behandelte. Weil die Symptome nicht besserten, rief die Ehefrau des Mannes den Giftnotruf Erfurt an. Es wurde eine umgehende Vorstellung in der nächsten Klinik empfohlen. Dort wurden Aktivkohle und ein abführendes Mittel verabreicht und Flüssigkeit infundiert. Während der Überwachung wurden leicht erhöhte Leber- u. Nierenwerte sowie eine gerinfügige Hämolyse festgestellt. Nach 3 Tagen wurde der Patient ohne gesundheitliche Störungen in zur Weiterbehandlung verlegt.
Rizinussamen sind die Samen der Christuspalme, die auch volkstümlich als Wunderbaum bekannt ist. Die Christuspalme ist eine uralte Ölpflanze Ägyptens. Ihre botanische Bezeichnung ist Ricinus communis. Sie gehört zur Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae). In den Samen sind das toxische Lectin Ricin und das ebenfalls giftige Ricinin enthalten. Aus 1 g Samen kann ca. 1 mg Ricin gewonnen werden. Rizinussamenschrot wird als Düngemittel und Rizinusöl wird als Abführmittel verwendet. Sie enthalten kein Ricin. Vergiftungen mit Rizinussamen verlaufen häufig schwer und gelegentlich sogar tödlich. Das Ausmaß der Symptome nach Verschlucken hängt im Wesentlichen davon ab, wie gut die Samen zerkaut wurden.
2-24 h nach Einnahme, in manchen Fällen auch erst nach 3 Tagen, kommt es zu Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen. Es können blutige Durchfälle auftreten und über mehrere Tage anhalten, was zu einem bedrohlichen Wasserverlust führen kann. Weiter werden Erhöhung der Körpertemperatur, weite Pupillen, Bewusstlosigkeit und Krampfanfälle beobachtet. Tod kann durch Herz-Kreislauf-Versagen eintreten. Hautkontakt kann zu erheblichen Hautreaktionen führen (z.B. bei Tragen von Schmuckketten mit durchbohrten Samenschalen).
Schon bei Verdacht auf Vergiftungen mit Rizinussamen sollte sofort der Giftnotruf (0361-730 730) kontaktiert werden. Sind bereits Bewusstlosigkeit oder Herz-Kreislauf-Versagen eingetreten, sollte sofort der Notarzt 112 verständigt und zwischenzeitlich die lebenswichtigen Körperfunktion (Atmung, Kreislauf) unter Berücksichtigung des Selbstschutzes nach den ABC-Regeln aufrecht erhalten werden.
Literatur
Giftpflanzen. Herausgeber: D. Frohne, H. J. Pfänder. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 5. Auflage 2004, S. 62
Vergiftungen im Kindesalter. Herausgeber: K. E. von Mühlendahl, U. Oberdisse, R. Bunjes, M. Brockstedt. Georg Thieme Verlag Stuttgart-New York, 4. Auflage 2003, S. 454-455
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