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Häufige Vergiftungen durch Nikotin

Die Nikotinvergiftung durch versehentliches Verschlucken von Zigaretten, Kippen oder Tabak zum Selberdrehen ist eine der häufigsten Vergiftungen im Kindesalter. Seltener kommt es durch Verschlucken von Zigarren, Pfeifentabak, Kau- oder Schnupftabak, Tabaksud, Nikotinkaugummis oder nikotinhaltige Hautpflaster zur Entwöhnung zu Nikotinvergiftungen. Eine Zigarette enthält 15-25 mg, eine Zigarre ca. 90 mg, Nikotinkaugummis bis zu 4 mg und Hautpflaster bis zu 50 mg Nikotin.

Das GGIZ Erfurt erhielt 2006 ca. 157 Anfragen zu Nikotinvergiftungen, wobei in den meisten Fällen keine oder nur leichte Symptome beobachtet wurden. Dennoch ist Nikotin ein sehr giftiges Alkaloid mit überwiegend stimulierender, in hohen Dosen auch lähmender Wirkung auf das zentrale Nervensystem.

Nikotin wird schnell über die Atemwege, die Haut und Schleimhäute aufgenommen. Die Aufnahme ist stark vom pH-Wert abhängig. Es wird schnell (Halbwertszeit 1-2 h) über die Leber verstoffwechselt und zu 95% in Form inaktiver Metabolite (Cotinin) über die Nieren ausgeschieden.

Typische Symptome bei Vergiftungen sind Erbrechen (ca. 1-3 h nach Einnahme), Blässe, Hautrötung, Unruhe, vermehrter Speichelfluss, Schwitzen, schneller Puls, leichte Benommenheit, Zittrigkeit. Bei schweren Vergiftungen können Bewusstlosigkeit, Atemstörung, Krämpfe und Blutdruckabfall auftreten.

Besondere Gefährdung besteht bei Verschlucken von Zigarren, Kau- oder Schnupftabake und Tabaksud (z.B. Kippen in Cola- oder Bierflaschen).
Da in Kippen Nikotin vor dem Zigarettenfilter kondensiert, sind diese deutlich giftiger als vergleichbare Mengen Zigarettentabak.
Auch von Pflastern wird Nikotin bei oraler wie dermaler Exposition (Vorsicht bei Verwechslung mit Wundpflastern) für Kleinkinder bedrohlich schnell freigesetzt. Auch gebrauchte Pflaster können noch toxikologisch relevante Mengen Nikotin enthalten. Das missbräuchliche Rauchen von Mischungen von Tabak mit Waschpulver kann zu schweren Vergiftungen durch starke Freisetzung von Nikotin führen.

Sofort-/Laienhilfe:
Besteht der Verdacht auf eine Nikotinvergiftung, sollte umgehend der Giftnotruf 0361-730 730 telefonisch kontaktiert werden, um eine Einschätzung der Gefährdung vornehmen zu lassen. Kein Erbrechen auslösen.

Bei schweren Symptomen (Bewusstlosigkeit, Atemstörung, fehlender Puls) ist sofort der Notruf 112 zu verständigen. Zwischenzeitlich müssen die Vitalfunktionen (Atmung u. Kreislauf) nach den ABC-Regeln aufrecht zu erhalten.

Literatur

- Mühlendahl KE u. Mitarb.: Vergiftungen im Kindesalter. 4. Aufl, Thieme-Verl 2003, S. 296-298

- Strubelt O. Gifte in Natur und Umwelt. Pestizide und Schwermetalle, Arzneimittel und Drogen. Spektrum Umwelt. Spektrum, Akad. Verl., Heidelberg; Berlin; Oxford 1996, S. 245


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