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Warnung vor Verwechslung mit Frühjahrslorchel

[GGIZ 200804767] Bei einer Familienfeier wurden Frühjahrslorcheln in einer Pfanne zubereitet und die Flüssigkeit mit Ei gebunden. Das Pilzgericht wurde von mindestens 8 Personen am Abend verzehrt. In den Morgenstunden erbrach ein 2-jähriges Mädchen. Die 4-jährige Schwester war unauffällig. Die Eltern stellten sich mit den Kindern in einem Krankenhaus vor. Daraufhin wurde der Giftnotruf Erfurt angerufen. Allen Beteiligten wurde noch Kohle und ein Gegenmittel (Acetylcystein) verabreicht. Der hinzugezogene Pilzberater konnte die Pilzreste als Frühjahrslorcheln identifizieren. Beim Vater und der 2-jährigen Tochter wurde ein leichter Zerfall der roten Blutkörperchen festgestellt. Am nächsten Tag (ca. 40 h nach der Pilzmahlzeit) stellten sich noch drei weitere Personen vor, die ebenfalls an der Pilzmahlzeit teilgenommen hatten. Bei zwei dieser Personen wurden leicht erhöhte Leberwerte gemessen. Da eine Leberschädigung noch 48 Stunden nach Verzehr von Frühjahrslorcheln auftreten kann, wurde bei diesen Personen die Gabe von Gegenmitteln empfohlen. Eine weitere Person, die sich in der Zwischenzeit auf einer Dienstreise befand, sollte über die mögliche Gefährdung informiert werden. Nach 3 Tagen Klinikaufenthalt wurden alle behandelten Personen geheilt entlassen.

Die Frühjahrslorchel (Gyromitra esculenta) kann leicht mit essbaren Morchelarten verwechselt werden. Sie wurde früher als Speisepilz sehr geschätzt und soll nach zweimaligem Abkochen und Verwerfen des Kochwassers ungiftig sein. Für die Vergiftung ist das Monomethylhydrazin verantwortlich, welches beim Kochen aus dem in allen Pilzteilen enthaltenen Gyromitrin entsteht.

SYMPTOME:

Die Vergiftung verläuft in mehreren Phasen:

1. Phase (gastrointestinale Phase): 6-24 Stunden nach der Pilzmahlzeit treten Bauchschmerzen, Übelkeit, heftiges Erbrechen u. wässrige Durchfälle auf wie bei der Knollenblätterpilzvergiftung. In schweren Fällen kann es zusätzlich zur Bewusstseinstrübung, zu Gang- u. Bewegungsunsicherheit u. zu Krämpfen kommen.

2. Phase (hepatorenale Phase): am 2. Tag Zeichen der Leber- u. Nierenschädigung bis zum völligem Ausfall der Organfunktionen. Zusätzlich Zerfall der roten Blutkörperchen (Hämolyse) u. Umwandlung des roten Blutfarbstoffes (Methämoglobinämie).

PROPHYLAXE:Obwohl der Pilz in Nord- und Osteuropa immer noch bedingt als Speisepilz gilt, sollte auf seinen Verzehr verzichtet werden. Keinesfalls darf er an mehreren Tagen hintereinander gegessen werden.

BEHANDLUNG:
Schon bei Verdacht auf Vergiftung mit Frühjahrslorchel Behandlung aller an der Mahlzeit Beteilligten im Krankenhaus.
Vor Einsetzen des Erbrechens Magenspülung, medizinische Kohle.
Abführmittel oder hohe Einläufe.
Korrektur des Wasser-Haushaltes und der Elektrolyte.
Gegenmittel: intravenöse Gabe von Vitamin B6 (Pyridoxin), Acetylcystein, Silibinin.

Quellen:

Bresinky A; Besl H: Giftpilze. WVG Stuttgart 1985
Flammer R; Horak E: Giftpilze - Pilzgifte. Schwabe-Verl. Basel 2003
Erfahrungen des GGIZ Erfurt: Stolpe HJ, Hentschel H et al.: Hepatic Injury after Ingestion of Gyromitra esculenta in Children.
(XX International Congress of the EAPCCT, Amsterdam 2-5 May 2000, Poster 152)
Erfahrungen des Giftinformationszentums in München (http://www.toxinfo.org/)
Mühlendahl KE u. Mitarb.: Vergiftungen im Kindesalter. 4. Aufl, Thieme-Verl 2003, S. 334


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