Fehlanwendung von Methotrexat gefährdet das Leben der Patienten

Methotrexat (MTX) ist ein zytostatisch wirksames Arzneimittel, das als Gegenspieler (Antagonist) der Folsäure (Vitamin der B-Gruppe) phasenspezifisch die Zellentwicklung hemmt. Aufgrund seines Wirkungsmechanismus häuft es sich bei wiederholter Verabreichung in den Zellen an (Kumulation), sodass es bei fehlerhafter Anwendung zu einer lange anhaltenden zellschädigenden Wirkung kommen kann.

Bereits 2009 sah sich das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) veranlasst, auf eine korrekte indikationsabhängige Dosierung und Anwendung von MTX bei der Therapie von neoplastischen, dermatologischen und rheumatologischen Erkrankungen hinzuweisen. Die Mehrzahl der Überdosierungen betrifft eine versehentlich tägliche statt einer wöchentlichen Anwendung von MTX bei rheumatischen und dermatologischen Erkrankungen. Die Folge sind schwerwiegende Nebenwirkungen (z.B. Störungen der Blutbildung; schwere Infektionen). Todesfälle betrafen insbesondere ältere Patienten. Durch einen Bescheid des BfArM an die pharmazeutischen Unternehmer zur Ergänzung der Fachinformationen wurde diesem Umstand Rechnung getragen.

Auch dem Giftnotruf Erfurt sind mehrere schwere Vergiftungsfälle durch die Fehlanwendung von MTX bekannt geworden. So kamen allein von Januar bis Anfang August 2012 sechs Fälle zur Anfrage, bei denen MTX fälschlicherweise täglich angewendet wurde. In drei Fällen kam es zu Störungen der Blutbildung, davon zweimal zur Panzytopenie (Ausbleiben der Bildung aller Arten der Blutzellen).

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