Gefährdung durch "Nano"-Versiegelungssprays

Nanotechnologie (griech. nánnos = Zwerg) ist ein Sammelbegriff für eine breite Auswahl von Technologien, die sich der Erforschung, Bearbeitung und Produktion von Gegenständen und Strukturen widmen, die in mindestens einer Dimension kleiner als 100 Nanometer (nm) sind. Ein Nanometer ist ein Milliardstel Meter (10-9 m). Diese Größenordnung bezeichnet einen Grenzbereich, in dem die Oberflächeneigenschaften gegenüber den Volumeneigenschaften der Materialien eine immer größere Rolle spielen und zunehmend quantenphysikalische Effekte berücksichtigt werden müssen.

Schon heute sind die Nanomaterialien, die auf chemischem Wege oder mittels mechanischer Methoden hergestellt werden, von praktischer Bedeutung. Einige davon sind kommerziell verfügbar und werden in handelsüblichen Produkten eingesetzt. Zahlreiche Anwendungen betreffen Probleme des Alltags. Ein Beispiel dafür ist der Lotuseffekt, der durch Beschichtung selbstreinigende Oberflächen ermöglicht. Auch als Schutzanstrich für Karosserien wird die Nanotechnologie derzeit verwendet. Dabei fungiert ein nanoskalisches Bindemittel als Alternative zu Chromatschichten bei der Automobillackierung.

Über mögliche Gefahren, die von der Verwendung von Nanoteilchen ausgehen könnten, gibt es bisher nur Spekulationen. So wird etwa befürchtet, dass Nanoteilchen in die Nahrungskette gelangen könnten oder auf andere Art aufgenommen werden und sich innerhalb des Körpers in unkontrollierter Weise ablagern oder zu Konflikten mit unserem Immunsystem führen. Dass solche Befürchtungen nicht ganz unbegründet sind, soll anhand der Erfahrung bei der Markteinführung der "Magic Nano"-Versiegelungssprays geschildert werden.

Im Zeitraum vom 28. März 2006 bis 09. April 2006 wurden den Giftinformationszentren in Deutschland 85 Fälle von z.T. schwerer Atemnot nach Verwendung verschiedener "Magic Nano"-Versiegelungssprays bekannt. Weitere 31 Fälle wurden nur der Herstellerfirma gemeldet. Andere Produkte des Herstellers waren nicht betroffen. 6 Patienten entwickelten schwere Atemstörungen (toxisches Lungenödem) und mussten im Krankenhaus behandelt werden. In den meisten Fällen der Behandlung kam es nach 12-18 Stunden zu einer Besserung der Symptome. Subjektive Atembeschwerden hielten vereinzelt bis zu 5 Tagen an.

Hersteller und Vertreiber der Produkte sowie zuständige Landes- und Bundesbehörden wurden durch eine effiziente Zusammenarbeit der 10 deutschen Giftinformationszentren sowie des schweizerischen und österreichischen Giftinformationszentrums informiert, was folgende Schritte nach sich zog:

  1. Am 28.03.2006 zog der Hersteller die Produkte zurück und der Vertreiber Rewe Group, Köln, entfernte die Produkte aus dem Angebot aller Penny-Märkte.
  2. Nach Bekanntwerden eines Vergiftungsfalles in der Schweiz am 07.03.2006 mit Atemnot und toxischem Lungenödem bei Anwendung eines über das Internet bezogenen Produktes desselben Herstellers wurde der Vertrieb ebenfalls eingestellt.

Da die genauen Ursachen für die Gesundheitsstörungen noch nicht geklärt werden konnten, rät das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) allen Verbrauchern, die Nano-Versiegelungssprays auf Treibgasbasis bereits gekauft haben, diese zumindest nicht in geschlossenen Räumen anzuwenden.
Wie das BfR am 26. Mai 2006 mitgeteilt hat, ergab ein Fachgespräch mit den an der Herstellung der Sprays beteiligten Unternehmen am 23. Mai 2006, dass in den Produkten gar keine Nanopartikel (Teilchen einer Größe von unter 100 Nanometern) enthalten waren. Dies bestätigten auch die vom Bundesinstitut für Risikobewertung veranlassten chemischen Analysen in zwei fachkompetenten Laboratorien. Nanopartikel kommen damit als Auslöser für die gesundheitlichen Probleme der Anwender nicht in Betracht.
Es muss davon ausgegangen werden, dass weitere "nano"-technologische Produkte (z.B. Schuhpflegemittel, Imprägniermittel, Nässeblocker) Gesundheitsgefahren bergen können. Dem Giftnotruf Erfurt ist ein Fall bekannt, bei dem es eine Stunde nach Anwendung von einem Nano-Imprägnier-Schaumspray bei einer 28-jährigen Frau zu Husten und Engegefühl mit nachweisbarer Beeinträchtigung der Atemfunktion kam. Die Beschwerden hielten trotz intensiver Behandlung über 4 Tage an, sodass generell Vorsicht beim Umgang mit diesen Produkten geboten ist.

Sollten bei Ihnen nach der Anwendung solcher Produkte ähnliche Beschwerden (Husten, Atemnot, Schüttelfrost, Fieber, Muskelschmerzen, allgemeines Krankheitsgefühl) auftreten, bitten wir Sie um eine telefonische oder schriftliche Information.

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