Schwere Verätzung durch "PORCÖZ"

Am 15. Januar 2010 wurde der Giftnotruf am späten Abend wegen eines Unfalls konsultiert, bei dem ein zwei Jahre altes Mädchen den Rost- und Kalkreiniger PORCÖZ® getrunken hatte. Es wurde über blutiges Erbrechen unmittelbar nach des Aufnahme des Mittels berichtet. Im weiteren Verlauf kam zu einem erheblichen Blutverlust, sodass eine Transfusion erfolgen musste. Bei der endoskopischen Untersuchung wurde als Blutungsursache eine schwere Schleimhautschädigung vom Rachen über die Speiseröhre, den Magen bis in den Zwölffingerdarm festgestellt. Im Röntgenbild zeigten sich Veränderungen, die auf eine Schädigung hinweisen, die wahrscheinlich durch das Erbrochene ausgelöst wurde, das in die Atemwege gelangt ist.

Ursache für diese Schädigung ist die hohe Konzentration an Salpetersäure, die dieses Produkt enthält. Eine 25 %-ige Salpetersäure kann schwerste Verätzungen auslösen. Das "Einatmen der Dämpfe und der üblicherweise darin gelösten sehr toxischen nitrosen Gase führt zu Bronchialkatarrh, Lungenentzündung und Verätzung der Lungenbläschen; Methämoglobin-Bildung ist möglich. Die eingenommene Säure verätzt die Verdauungsorgane, stört schon in starker Verdünnung die Verdauungstätigkeit und schädigt die Zähne". (RÖMPP Chemie Lexikon) Folgeschäden sind nicht auszuschließen, weil diese Säure schlecht heilende Wunden verursacht. In einem Fallbericht aus der Türkei wurde 2002 über einen schweren Unfall bei einem gleichfalls zwei Jahre alten Knaben berichtet, bei dem es durch die Verätzung zu einem Magendurchbruch gekommen war. Der Magen musste operativ vollständig entfernt und die Speiseröhre mit dem Dünndarm verbunden werden, um das Leben des Kindes zu retten.

Bereits 2003 wurde durch das Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum Baden-Württembergs in einer Presseerklärung auf die Gesundheitsgefährdung beim Umgang mit PORCÖZ® aufmerksam gemacht. Auf der Rückseite der Verpackung befinden sich eine deutsche und eine englische Gebrauchsanweisung sowie einige Warnhinweise, die jedoch den Verbraucher nicht ausreichend auf die Gefährdung hinweisen. Insbesondere wenn das Produkt nicht bestimmungsgemäß verwendet oder in Getränkeflaschen umgefüllt wird, besteht Lebensgefahr. Der Giftnotruf Erfurt hat den oben geschilderten Fall umgehend dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) mitgeteilt und fordert die Überprüfung der Zulassung dieses Produkts für den privaten Endverbraucher.

Hier finden Sie weitere Informationen zur Vergiftungsgefahr durch ätzend wirkende Reiniger.

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