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Arzneipflanze des Jahres 2011 - Passiflora incarnata

Der Würzburger Studienkreis "Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzen" wählte Passiflora incarnata zur Arzneipflanze des Jahres 2011.

Passiflora incarnata, zu Deutsch Fleischfarbene Passionsblume, gehört zur über 400 Arten zählenden Gattung der Passionsblumen. Sie wird häufig mit der Blauen Passionsblume (Passiflora coerulea), einer bei uns beliebten Zimmerpflanze, verwechselt. Letztere erreicht aber bei weitem nicht die Größe der Fleischfarbenen Passionsblume und eignet sich auch nicht als Heilpflanze. Die Bezeichnung blau bzw. fleischfarben bezieht sich auf die jeweilige Färbung des Strahlenkranzes der Blüte. Ebenfalls gut bekannt sind die essbaren Früchte einiger Passiflora edulis - Arten wie Maracuja oder Grenadillen. Die Früchte der Blauen Passionsblume sind reif ebenfalls essbar.

Sehr interessant ist die Geschichte ihrer Namensgebung: Bei der Besiedlung Südamerikas durch spanische Einwanderer sahen katholische Missionare insbesondere in der faszinierenden Blüte der Passionsblume Symbole für den Leidensweg Christi: So ähnelt der Strahlenkranz der Dornenkrone, die fünf Staubblätter symbolisieren die Wunden, die drei Griffel die Kreuznägel, die 10 Blütenhüllblätter stehen für die Apostel ohne Petrus und Judas. Auch beobachteten die Spanier die Verwendung der Passionsblume durch die Indianer: Der Arzt Francisco Hernández (1514 oder 1517 bis 1587) beschrieb die Pflanze als hilfreich bei Schlaflosigkeit und Schmerzen, als appetitanregend und harntreibend. Außerdem sei sie wirksam gegen Gifte und Melancholie.

In der traditionellen Medizin werden die getrockneten Blätter der Passiflora incarnata verwendet. Es stehen aber zahlreiche Fertigarzneimittel (Einzel- und auch Kombinationspräparate) oder Teeauszüge zur Verfügung, welche vor allem der Behandlung von Nervosität und Schlafstörungen dienen. Der Pflanze werden außerdem angst- und krampflösende Wirkungen zugeschrieben. Nicht geklärt ist, welcher Inhaltsstoff für die Wirkungen verantwortlich ist. Früher wurden Harmanalkaloide vermutet, diese konnten in neueren Untersuchungen aber nicht oder nur in Spuren nachgewiesen werden. Aus den Blättern der Zimmerpflanze (Blaue Passionsblume, lat. Passiflora caerulea) sollte man sich hingegen keinen Schlaf- oder Beruhigungstee brühen: sie enthalten cyanogene Glykoside. Diese können in großen Mengen zu einer Blausäurevergiftung führen.

Quellen

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