Gesundheitsgefährdung durch Energydrinks

Neubewertung von Energydrinks durch das Bundesinstitut für Risikobewertung

Energydrinks (z.B. Red Bull® u.ä.) sind Getränke, die Coffein (bis max. 320 mg/l), meist zusammen mit den Stoffen Taurin, Inosit und Glucuronolacton – oft in hohen Konzentrationen – enthalten. Sie sind nicht zu verwechseln mit Getränken für Sportler, die tatsächlich Energie in Form von Kohlenhydraten / Zucker sowie Elektrolyte enthalten.

In den letzten Jahren wurde wiederholt über ausgeprägte unerwünschte Wirkungen von Energydrinks berichtet. Es traten Bauchschmerzen, Hypertonie (Bluthochdruck), Tachykardie (Herzrasen), Herzrhythmusstörungen, Myokloni (Muskelzuckungen), Krampfanfälle, Rhabdomyolyse (Muskelzerfall) und Nierenschädigungen auf. Scheinbar gesunde junge Personen verstarben innerhalb einiger Stunden nach dem Konsum von mehreren Dosen solcher Energydrinks in Kombination mit mäßigem Alkoholgenuss (Blutalkoholkonzentration zwischen 0,59 und 0,87 Promille): es gab 3 Todesfälle in Schweden, zwei in Irland und einen in Deutschland. Auch in Japan wird ein Zusammenhang von hoher Taurinzufuhr (Volksmedizin) und unklaren Todesfällen vermutet. Ein kausaler Zusammenhang ist bisher nicht bewiesen; allerdings fand man trotz eingehender Untersuchungen auch keine andere Ursache für diese Todesfälle. In Frankreich, Dänemark und Norwegen wurden die Energydrinks bereits verboten.

Über die Wirkungen von Taurin und Glucuronolacton gibt es bisher so wenig Daten, sodass man keinen ADI-Wert (= oberer Wert, bis zu dem die tägliche Aufnahme als sicher gelten kann) festlegen kann. Wie sich Kombinationen dieser Stoffe auf das Zentralnervensystem, das Herz-Kreislauf-System und andere Organe auswirken, ist weitgehend unbekannt. Ganz unübersichtlich wird die Situation, wenn zusätzlich Alkohol getrunken wird.
Es besteht weiterer Klärungsbedarf, denn bis jetzt gibt es nur ansatzweise Erklärungsmöglichkeiten für die beobachteten Zwischenfälle:

  • Coffein und Alkohol senken (jedes für sich) die Krampfschwelle.
  • Coffein in sehr hohen Dosen kann auch bei Gesunden Krampfanfälle auslösen (aber ist dafür normalerweise deutlich mehr als 1 g erforderlich, das entspräche mehreren Litern Energydrinks).
  • Die Aminosäure Taurin ist im Zentralen Nervensystem an verschiedenen physiologischen Prozessen beteiligt. Ihre Hauptaufgabe liegt in der Osmoregulation (Regulation der lebenswichtigen Salz- und Ionenkonzentration in den Zellen); sie kann auch eine Hypoglykämie (stark erniedrigter Blutzucker) verursachen.

Einzelheiten hinsichtlich Höchstdosis, Wechselwirkungen von Taurin mit Coffein und Alkohol sowie Effekte bei Anstrengung und Dehydratation (Entwässerung, z.B. durch Schwitzen/Wasserverlust bei körperlicher Anstrengung) sind unbekannt. Da Coffein und Alkohol die Wasserausscheidung über die Nieren anregen, könnte es bei einer solchen Kombination mit einer hohen Dosis Taurin möglicherweise zu einem Versagen der Regulation im Bereich Wasser- und Elektrolythaushalts mit schweren Folgen für Gehirn, Herz-Kreislauf und Muskulatur kommen.

Vor diesem Hintergrund sollten Energydrinks - wenn überhaupt - mit großer Vorsicht und nur in kleinen Mengen konsumiert werden sowie

  • nicht von Kindern, Jugendlichen und Schwangeren,
  • nicht von Coffein-empfindlichen Patienten (vorbestehende Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Anfallsleiden, psychische Erkrankungen),
  • nicht bei schwerer körperlicher Arbeit oder beim Sport bzw. Tanzen,
  • nicht in Kombination mit Alkohol.

Hier finden Sie weitere Informationen zur Vergiftungsgefahr durch Alkohol.

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