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Gefährdung durch "Miracle Mineral Supplement" MMS

Am 12. Dezember 2009 und am 24. Januar 2010 wurde der Giftnotruf jeweils zu Unfällen mit "Miracle Mineral Supplement" (MMS, enthält Natriumchlorit 22,4%) konsultiert, welches im Internet als Wundermittel gegen Malaria, Aids und viele andere Krankheiten beworben wird.

In einem Fall hatte ein 1,5-jähriger Knabe ca. 14 Tropfen dieses "Wundermittels" verschluckt. Unmittelbar nach der Einnahme kam es zu unstillbarem Erbrechen und Atemstörungen. In dem anderen Fall hatte eine 35-jährige Frau das Produkt fehlerhaft angesetzt und einige Spritzer ins Gesicht bekommen. Am nächsten Tag stellte sie sich mit Hautveränderungen im Gesicht in einer Hautklinik vor.

Natriumchlorit - nicht zu verwechseln mit Natriumchlorid (Kochsalz)! - ist je nach Konzentration reizend bis ätzend für Haut und Schleimhäute. Zusätzlich ist Natriumchlorit ein starkes Oxidationsmittel und oxidiert das zweiwertige Eisen vom roten Blutfarbstoff zu dreiwertigem Eisen. Dreiwertiges Eisen kann keinen Sauerstoff mehr binden. Mögliche Folgen sind ein Zerfall der roten Blutkörperchen (Hämolyse) mit innerer Sauerstoffnot und Verstopfung der Nieren (Niereninsuffizienz). Laut Gebrauchsanweisung soll MMS mit Essigsäure gemischt werden, wobei das Gas Chlordioxid entsteht. Chlordioxid wirkt aufgrund seiner Reaktivität ebenfalls reizend bis stark ätzend.

Da bei Anwendung von MMS schwere Gesundheitsschäden verursacht werden können, warnt der Giftnotruf Erfurt vor einer unkritischen Einnahme dieses Produktes.

Sofort-/Laienhilfe

  • Erbrechen möglichst vermeiden!
  • Bei Haut- und/oder Augenkontakt sofort mit Wasser spülen und Reste aus dem Mund entfernen.
  • Nur unmittelbar nach Verschlucken maximal ein Glas Wasser trinken.
  • Giftinformationszentrum konsultieren, um die Gefährdung einzuschätzen!
  • Bei Verätzungszeichen sofort Rettungsdienst (Notruf 112) verständigen!
  • Produkt, Verpackung bzw. Etikett bereithalten!

Quellen

  • Hommel Merkblatt 143
  • Römpp Chemie Lexikon, 9. Auflage, Band 4, Thieme, 1993, S. 2923
  • Mühlendahl KE von (Hrsg.). Vergiftungen im Kindesalter. 4. Aufl., Stuttgart, New York: Thieme 2003

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© Giftnotruf Erfurt 04.12.2019

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