Gesundheitsgefährdung durch OC-Pfefferspray

Das Kürzel "OC" steht für Oleoresin Capsicum. Es handelt sich um einen Extrakt aus Paprika, Cayenne-Pfeffer oder Chili-Pfeffer, der ein Wirkstoffgemisch (Capsaicinoide) darstellt, dessen Reizwirkung bis zu 3000-mal stärker als die des Gewürzpfeffers (Piper nigrum) sein soll.

Nach Einwirkung des Sprays am Auge tritt initial ein sehr heftiger, brennender Schmerz auf. Krampfartiger Lidschluss (Blepharospasmus), Rötung und Schwellung der Bindehaut (Konjunktiva) und heftiger Tränenfluss sind die Folge. Die Reizung der Atemwege führt zum starken Niesen, Naselaufen und Husten. Starker Würgereiz mit gesteigertem Speichelfluss, Brennen des Mundes, der Zuge und des Rachens und Erbrechen können auftreten. Nach einiger Zeit können sich Kurzatmigkeit und Erstickungsgefühl einstellen. Ein Asthmaanfall kann ausgelöst werden.

Die Symptome klingen in der Regel innerhalb von 15 bis 30 Minuten nach Ende der Einwirkung des Sprays spontan ab. Wenn die Augen gerieben wurden, halten die Symptome u.U. bis zu 48 Stunden an. Wurden die Augen aus Nahdistanz in hoher Konzentration getroffen, kann daraus eine Schädigung des Hornhautepithels (Keratitis bzw. Keratokonjunktivitis) resultieren. Durch die Druckwirkung können Partikel eingesprengt werden. Im Extremfall kommt es zur Perforation. Bei starker Exposition der Atemwege kann sich mit einer Latenzzeit von 12 bis 24 Stunden ein Lungenödem entwickeln. An der Haut kann sich als Folge einer Sensibilisierung eine Kontaktdermatitis ausbilden.

Betroffene Personen müssen die exponierte Umgebung sofort verlassen und kontaminierte Hautstellen sollten gründlich mit Wasser und Seife gewaschen werden. Die Augen sind mit fließendem lauwarmen Wasser oder physiologischer Kochsalz-Lösung für mindestens 15 Minuten zu spülen. Um das Öffnen der Augen zu erleichtern, kann zunächst ein Lokalanästhetikum getropft werden. Ein spezielles Gegenmittel gibt es nicht. Die als "OC-Neutralisator" angebotenen Mittel bewirken keine spezifische Inaktivierung der Capsaicinoide und bieten gegenüber der sofortigen Spülung keinen Vorteil. Um Schäden am Auge zu erkennen und Folgeschäden zu vermeiden, ist nach jeder Exposition eine umgehende augenärztliche Untersuchung angezeigt. Bei Störungen der Atmung sollte nach der Notfallversorgung eine stationäre Überwachung erfolgen. Die Wirksamkeit von Glukokortikoiden ist umstritten.

Quellen

  • Vesaluoma M, Müller L, Gallar J, Lambiase A, Moilanen J, Hack T, Belmonte C and Tervo T. Effects of Oleoresin Capsicum Pepper Spray on Human Corneal Morphology and Sensitivity. Investigative Ophthalmology and Visual Science 2000; 41: 2138-2147
  • Mühlendahl KE von (Hrsg.). Vergiftungen im Kindesalter. 4. Aufl., Stuttgart, New York: Thieme 2003

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