Schwere Vergiftung durch "Schlaftrunk" aus Mohnsamen

Aufgrund eines lebensgefährlichen Vergiftungsunfalls bei einem sechs Wochen alten Säugling sieht sich der Giftnotruf Erfurt veranlasst, vor einem beruhigend wirkenden "Hausmittel" eindringlich zu warnen:

Im vorliegenden Fall hatte die Mutter des Kindes einen "Schlaftrunk" nach einem Rezept aus einem Backbuch (Auflage 2004) zubereitet, indem sie Mohnsamen mit Milch aufgekocht und wieder abgeseiht hatte. Diese Milch wurde dem Säugling am Abend verabreicht. Obwohl die Mutter nur die Hälfte der im Rezept angegebenen Mohnmenge zur Zubereitung des Trunks verwendet hatte, kam es zu einer lebensgefährlichen Vergiftung: fünf Stunden später wurde das Kind mit schweren Atemstörungen und engen Pupillen in die Klinik aufgenommen. Ein Schnelltest im Urin auf die in Mohnsamen enthaltenen Opiumalkaloide war positiv. Es kam zum Atemstillstand, sodass der Säugling beatmet werden musste. Nur durch die wiederholte Gabe des Gegenmittels Naloxon, die über mehr als zehn Stunden fortgesetzt werden musste, konnte die Atemstörung beherrscht werden. Erst 15 Stunden nach der Verabreichung des "Schlaftrunks" war das Kind wieder wach und außer Lebensgefahr.

Ursache der Vergiftung ist die Tatsache, dass auch der zum Backen verwendete Mohn noch geringe Mengen Opiumalkaloide enthält, die beim Aufkochen in die Milch übertreten. Zudem reagieren gerade Säuglinge sehr empfindlich auf diese Stoffe, die zu einer lebensgefährlichen Atemstörung führen können.

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