Vergiftungsunfälle im Kindesalter - kein Anlass zur Sorglosigkeit

Pressemitteilung des Gemeinsamen Giftinformationszentrums (GGIZ) der Länder Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen vom 07.11.2005

Fast die Hälfte aller Anfragen (36.152; 43,9 %), die den Giftnotruf Erfurt von 1994 bis 2004 erreichten, betrafen Kinder im Alter bis zu 14 Jahren. Dabei stellten Kleinkinder mit insgesamt 27.029 Anfragen die am stärksten vertretene Altersgruppe dar, in der in den vergangenen zehn Jahren auch eine kontinuierliche Zunahme beobachtet wurde. Von allen Fällen mit Vergiftungsverdacht im Kindesalter wurden nur rund ein Fünftel (19,6 %) zum Zeitpunkt der Anfrage als potenziell gefährlich eingeschätzt, und nur in wenigen Fällen (0,5 % aller Anfragen) bestand die Gefahr einer schweren Vergiftung. Drei Kinder verstarben an den Folgen von Vergiftungsunfällen.

Wasch- und Reinigungsmittel nehmen nach wie vor als "Übeltäter" kindlicher Unfälle mit Haushaltsprodukten einen Spitzenplatz ein. In den meisten Fällen reicht nach einer solchen "Verkostung" die Verabreichung eines entschäumend wirkenden Mittels (Entschäumer), um die Gefahr abzuwenden. Niemals sollte versucht werden, Erbrechen auszulösen. In der Vorweihnachtszeit werden die Wohnungen mit interessanten Dingen dekoriert; Kerzen, Weihnachtssterne, Duftlampen und vieles mehr locken Kleinkinder durch attraktive Färbung und interessante Gerüche an. Ein Erwachsener sollte deshalb immer in der Nähe bleiben, um das "Anknabbern" zu vermeiden.

Viele Pflanzen tragen jetzt attraktive Früchte. In geringer Menge (wenige Beeren von Eberesche, Feuerdorn, Mahonie, Schneebeere, Zwergmispel) führt der Verzehr im Allgemeinen nicht zu einer schweren Gesundheitsgefährdung. Bevor jedoch Entwarnung gegeben werden kann, muss die Pflanze sicher identifiziert werden (Pflanzenmaterial mit zum Arzt bringen, Kopie per Fax oder Digitalfoto per E-Mail an den Giftnotruf schicken).

Schwere Vergiftungsfälle sind im Kindesalter selten, vital bedrohliche Intoxikationen sehr selten. Trotzdem besteht keinerlei Veranlassung zur Bagatellisierung der Gesundheitsgefährdung. Herz-Kreislauf-Mittel, Psychopharmaka und starke Schmerzmittel für Erwachsene können beim Kleinkind bereits nach Aufnahme weniger Tabletten oder Dragees zur Lebensbedrohung führen. Das Gleiche gilt für das Verschlucken von Frostschutz- und Enteisungsmitteln, die giftige Alkohole und Glykole in hoher Konzentration enthalten.

Durch die schnelle Kontaktaufnahme mit dem Giftinformationszentrum kann fast immer rasch geklärt werden, welches Risiko besteht und ob Behandlungsmaßnahmen erforderlich sind. Dabei ist in Rechnung zu stellen, dass es sich bei einer Vergiftung u.U. um ein sehr dynamisches Geschehen handelt, sodass sich innerhalb kurzer Zeit die Einschätzung der Gefährdung ändern kann. Die Durchführung oder Unterlassung von Maßnahmen der Giftentfernung bedarf gerade im Kindesalter der kritischen Indikationsstellung. Die Neigung zu überstürztem Handeln durch die Eltern (Auslösen von Erbrechen mittels konzentrierter Kochsalzlösung) kann eine größere Gefahr heraufbeschwören als das vermeintliche Gift. Andererseits wird die Gefährlichkeit einer einzigen Tablette bestimmter Herz-Kreislauf-Mittel und Psychopharmaka häufig unterschätzt.

Weitere ausführliche Informationen finden Sie auf der Website des GGIZ Erfurt unter http://www.ggiz-erfurt.de [Menüpunkte Aktuelles und Giftinformation].

Auskünfte im Notfall erhalten Sie unter Giftnotruf Erfurt, Tel. 0361/730 730 (rund um die Uhr erreichbar).

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