Aktuelle Informationen zum Vergiftungsgeschehen in Thüringen

Im Jahr 2006 haben den Giftnotruf in Erfurt, der für die beteiligten Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen rund um die Uhr an allen Tagen des Jahres tätig ist, insgesamt 18.094 Anfragen (davon aus Thüringen 3.269 = 18,1 %) erreicht. Im Vergleich zu 2005 (18.192 Anfragen, davon aus Thüringen 3.433 = 18,9 %) hat sich die Zahl der dem Giftinformationszentrum bekannt gewordenen Vergiftungen und Verdachtsfälle kaum verändert. Im Durchschnitt erreichen den Erfurter Giftnotruf 50 Anfragen pro Tag (1.500 pro Monat); maximal wurden an einem Tag 85 Anfragen registriert; Spitzenmonat war der Juli 2006; aber auch während der Pilzsaison (Mitte August bis Oktober 2006) war eine deutliche Zunahme der Anfragen zu verzeichnen (Anfragen zur Pilzberatung). Von Kreuzotterbissen waren im vergangenen Jahr in Thüringen nur drei Erwachsene betroffen (2005 - 1 Fall).

Die Vergiftungsfälle bei Erwachsenen sind in erster Linie auf die Einnahme von Arzneimitteln zurückzuführen (Anfragen aus Thüringen: 2005 - 1.510; 2006 - 1.430 = Rückgang um 5,3 %). Der Anteil schwerer Vergiftungen beträgt ca. 10 %. Dem Giftinformationszentrum wurden 2006 in Thüringen 3 Todesfälle durch Vergiftungen bekannt (2005 ebenfalls 3 Fälle). In einem Fall handelte es sich um eine tödliche Arzneimittelvergiftung, zum anderen um einen Todesfall nach der Einnahme einer Überdosis der Droge Crystal. In einem weiteren Fall endete eine Knollenblätterpilzvergiftung tödlich.

Der Anteil kindlicher Vergiftungen lag bei 45 % aller Anfragen (Anfragen aus Thüringen: 2005 - 1.191; 2006 - 1.150). Besonders gefährdet sind Kleinkinder, die beim Erkunden ihrer Umwelt vieles in den Mund stecken und verschlucken. Deshalb sollten sich Tabletten, Wasch- und Reinigungsmittel, Kosmetika, Zigaretten, alkoholische Getränke, aber auch Zimmerpflanzen außer Reichweite von Kindern befinden. Gerade der Verzehr von Früchten der Eberesche, Eibe, Lampionblume, Liguster, Mahonie, Maiglöckchen und Schneebeere oder das Anknabbern der Blätter von Zimmerpflanzen (Dieffenbachia, Efeutute, Ficus, Monstera, Weihnachtsstern) führen zu vielen aufgeregten Anrufen der Eltern, bei denen aber häufig Entwarnung gegeben werden kann. Anders sieht es beim Verschlucken von Wasch- und Reinigungsmitteln aus. Hier besteht die Gefahr, dass beim Erbrechen Schaum in die Atemwege gerät. Deshalb muss zuerst immer ein entschäumend wirkendes Mittel (Entschäumer) verabreicht werden. Ungefährlich ist dagegen in der Regel das Verschlucken von Silicagel (Kristalle in Trockenmittelpäckchen in Lederwaren). Hier reicht das Nachtrinken von etwas Tee. Auch eine Überdosis Fluoridhaltiger Tabletten zur Kariesprophylaxe bleibt meist ohne gefährliche Folgen, wenn sofort eine Tasse Milch nachgetrunken wird. Wurden einige Antibabypillen verschluckt, besteht meist keine Vergiftungsgefahr für die Kinder. Besonders hinzuweisen ist auf die Gefahr, die von Fehlern bei der Verabreichung von Arzneimitteln durch die Eltern ausgeht. Falsche Arzneimittel, falsche Dosis oder falscher Aufnahmeweg führen häufig zu vermeidbaren Unfällen und Vergiftungsgefahr. Schwere Vergiftungen sind bei Kindern selten (weniger als 1 %). In den letzten Jahren sind dem Giftinformationszentrum in Thüringen keine kindlichen Vergiftungen mit Todesfolge bekannt geworden.

Wenn Sie persönlich mit Mitarbeitern des GGIZ sprechen möchten, dann kommen Sie am Samstag, dem 3. März 2007, zur Eröffnung der Thüringen-Ausstellung an den Stand des Thüringer Minister für Soziales, Familie und Gesundheit.

Die Thüringer Allgemeine berichtete am 17.02.2007 über Ratschläge zur Vermeidung von Vergiftungsunfällen.

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