Bisse und Stiche durch exotische Haustiere

Aufgrund von Beobachtungen in Deutschland und Frankreich ist davon auszugehen, dass die Zahl solcher "Hausgenossen", die nicht nur legal importiert, gezüchtet und verkauft werden, sondern teilweise auch aus dubiosen Quellen stammen, erheblich zugenommen hat. Die Thüringer Landeszeitung (TLZ) berichtete am 10.05.2008 über dieses Thema.

Gifttiere wie z.B. Schlangen, Vogelspinnen, Skorpione und auch giftige Tiere in Aquarien, wie Krustenanemonen, sind seit längerer Zeit in Mode. Vor allem Schlangen erfreuen sich dabei in bestimmten Kreisen zunehmender Beliebtheit. Unfälle durch fehlende Sachkunde beim Umgang mit diesen Tieren sind die traurige Konsequenz dieser Entwicklung. Bissverletzungen sind deshalb häufig die Folge eines unsachgemäßen Umgangs und des Hantierens unter Alkoholeinfluss. Die Kosten für die Beschaffung und Behandlung mit entsprechenden Antiseren sind u.U. erheblich. Verletzungen können insbesondere bei Kindern lebensgefährlich sein. Giftige und andere gefährliche Tiere haben grundsätzlich nichts in privaten Haushalten zu suchen. Unter dem Gesichtspunkt der Einhaltung der Bestimmungen des Tierschutzes und der Verhütung von Unfällen findet das in Hessen erlassene gesetzliche Verbot der Haltung solcher Tiere in privaten Haushalten unsere Zustimmung.

Hier finden Sie weitere Informationen zur Vergiftungsgefahr durch Tiere und zum Thüringer Gesetz zum Schutz der Bevölkerung vor Tiergefahren.

Quellen

  • Andreas Schaper, Herbert Desel, Martin Ebbecke, Luc de Haro, Michael Deters, Helmut Hentschel, Maren Hermanns-Clausen, and Claus Langer. Bites and stings by exotic pets in Europe: An 11 year analysis of 404 cases from Northeastern Germany and Southeastern France. Clinical Toxicology 47(1): 39-43 May 2008

Zusammenfassung:

Einleitung: Die Zahl von exotischen, z.T. giftigen Haustieren in europäischen Haushalten wird immer größer. In einem französich-deutschen Gemeinschaftsprojekt wurden folgende Parameter ausgewertet: Tierspezies, Umstände und Schweregrad der Verletzungen und Vergiftungen, Behandlung.

Methoden: Retrospektive deskriptive Studie von Falldaten von 1996 bis 2006. Die Studie umfasste alle Fälle von Bissen und Stichen durch exotische Haustiere, welche von vier Giftinformationszentren registriert wurden. Einschlusskriterium war Bisse und Stiche bei Menschen.

Ergebnisse: Von 1996 bis 2006 wurden vier europäische Giftinformationszentren zu 404 Bissen und Stichen durch exotische Haustieren konsultiert. Der Altersdurchschnitt der Patienten war 36 (2 bis 75) Jahre. 73 % der Patienten waren männlich. Der Schweregrad der Vergiftungen nach dem Poisoning Severity Score (PSS) wurde wie folgt eingestuft: 29 schwer (7,1 %), 55 mittelgradig (14,2 %), 320 leicht (78,7 %). Todesfälle gab es keine. Bisse exotischer Schlangen, wie Klapperschlangen, Kobras, Mambas und anderer Giftschlangen, verursachten 39 % der Vergiftungen. Wassertiere (meist Rotfeuerfisch der Pterois-Art und Stachelrochen) riefen 30 % und Gliederfüßler (Vogelspinne und Skorpione) 27 % der Vergiftungen hervor. Alle schweren Vergiftungen wurden durch Giftschlangen verursacht.

Schlussfolgerung: Im wachsenden Maße ist mit Patienten zu rechnen, die durch exotische Haustiere gestochen oder gebissen wurden. Die Beratung durch ein Giftinformationszentrum kann bei der Behandlung dieser ungewöhnlichen Fälle und bei der Beschaffung selten verwendeter Gegengifte helfen.

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